Kiefernekrosen

Die Kiefernekrose ist eine heilbare Erkrankung. Die Therapie besteht in der chirurgischen Abtragung. Mit Hilfe der modernen Fluoreszenztechnik kann die Kiefernekrose besonders gezielt und schonend behandelt werden.

Kiefernekrose

Als Kiefernekrose bezeichnet man abgestorbenen Kieferknochen. Der Begriff Nekrose leitet sich aus dem Griechischen ab und bezeichnet abgestorbenes Gewebe. Alternative Bezeichnungen sind Kieferknochennekrose oder Osteonekrose des Kiefers.

Verschiedene Ursachen können zu einer Kieferknochennekrose führen:

  • Entzündungen – Kieferosteomyelitis
  • Bestrahlungen – Osteoradionekrose (im Rahmen einer Krebsbehandlung)
  • Medikamente – insbesondere antiresorptive Medikamente wie z.B. Bisphosphonate und Denosumab

Antiresorptive Medikamente sind sehr wirksame, nützliche und nebenwirkungsarme Medikamente. Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung ist die Kieferknochennekrose. Antiresorptive Medikamente beeinflussen den Knochenstoffwechsel und verhindern vor allem den Knochenab- und umbau. Sie werden insbesondere zur Behandlung des Knochenschwunds (Osteoporose) und von Knochenmetastasen eingesetzt.

Bisphosphonate (Zolodronsäure (z.B. Zometa, Aclasta), Pamidronsäure (z.B. Aredia), Ibandronsäure (z.B. Bondronat, Bonviva) oder Alendronsäure (z.B. Fosamax)) und der Antikörper Denosumab (XGeva, Prolia) können zu Kiefernekrosen führen.

Freiliegender Kieferknochen, der über Wochen nicht abheilt, stellt  das klinische Merkmal einer Kieferknochennekrose. 

Typischerweise kann es nach Zahnextraktionen unter antiresorptiver Therapie zu Wundheilungsstörungen kommen.

Weitere klinische Symptome können unspezifische Beschwerden sein wie Mundgeruch, Gefühlsstörungen der Unterlippe, Kieferhöhlenentzündungen, Schmerzen bis hin zu Kieferfrakturen.

Die Häufigkeit des Auftretens der Medikamenten-assoziierten Kiefernekrose hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei der Behandlung der Osteoporose ist die Häufigkeit gering (unter 1%). Bei der Behandlung von Knochenmetastasen werden die antiresorptiven Medikamente in einer deutlich höhheren Dosierung verwendendet; derzeit wird in der wissenschaftlichen Literatur von einer Häufigkeit von ca. 5-10% ausgegangen.

Der Mechanismus, wie es zu einer Kiefernekrose kommt, ist noch nicht genau verstanden. Bekannt ist aber, dass unter antiresorptiver Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab die Osteoklastenfunktion unterdrückt wird. Osteoklasten sind knochenabbauende Zellen, die bei der Bewältigung von Knochenentzündungen eine besonders wichtige Rolle spielen. Können Knochenentzündungen durch die eingeschränkte Osteoklastenfunktion nicht beseitigt werden, kann es zum Absterben der betroffenen Knochenbereiche kommen. Da der Kieferknochen viel häufiger von Entzündungen betroffen ist als alle anderen Knochen im Körper (durch das Vorhandensein von Zähnen), tritt die Medikamenten-assoziierte Knochennekrose fast ausschließlich im Kieferknochen auf.

Ja! Vor einer geplanten antiresorptiven Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab sollten alle Entzündungsherde in der Mundhöhle saniert werden. Damit läßt sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Kiefernekrose deutlich reduzieren. Auch unter einer laufenden Therapie sollten chronisch entzündete Zähne behandelt werden. Die Behandlung mit Bisphosphonaten oder Denosumab stellt keine Kontraindikation gegen die Entfernung von Zähnen oder andere chirurgische Massnahmen im Kieferbereich dar. Allerdings sollten chirurgische Eingriffe unter antiresorptiver Therapie nur von Ärzten durchgeführt werden, die in der Behandlung von Kiefernekrosen erfahren sind.

Wie wird eine Kiefernekrose behandelt ?

Eine Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose sollte aus verschiedenen Gründen chirurgisch behandelt werden.

  • Abgestorbener Knochen wird nicht wieder von Knochenzellen besiedelt
  • Abgestorbener Knochen hemmt die Wundheilung der Schleimhaut
  • Durch die chirurgische Abtragung wird das Fortschreiten der Knochennekrose verhindert
  • Die chirurgische Therapie hat eine hohe Erfolgsrate (ca. 90%) im Vergleich zur nicht-chirurgischen Therapie (unter 30%) 
  • Bei der chirurgischen Therapie wird der Knochen histologisch untersucht, so dass andere Erkrankungen (z.B. Knochenmetastasen) ausgeschlossen werden können

Ein chirurgisches Vorgehen bei der Kiefernekrose ist erforderlich, um den abgestorbenen Knochen, der sich nicht regenerieren kann, abzutragen. Die Schwierigkeit bei diesem Eingriff besteht insbesondere darin, die Grenzen der Kiefernekrose während der Operation zu erkennen kann, damit nicht unnötig zu viel gesunder Knochen entfernt wird oder aber Reste der Kiefernekrose im verbleiben.

Um diese Problem zu lösen, haben wir in den letzten Jahren eine besondere, einzigartige Behandlungsmethode entwickelt, bei der die Unterscheidung mit Hilfe einer Fluoreszenzlampe von abgestorbenem und vitalem Knochen während der Operation möglich ist.

Durch mehrere wissenschaftliche Studien ist der Nutzen dieser Technik belegt worden. Das Verfahren beruht darauf, dass gesunder Knochen eine Eigenfluoreszenz, eine Knochennekrose dagegen nicht bzw. deutlich schwächer. 

Als Entwickler und Erstbeschreiber der fluoreszenz-gesteuerten Knochenabtragung bieten wir Ihnen diese Technik als Kompetenzzentrum natürlich auch in unserer Praxisklinik an, weil wir stets auf dem aktuellsten wissenschaftlichen Stand arbeiten.
Die fluoreszenz-gesteuerte Knochenabtragung kann auch bei anderen Formen der Osteonekrose angewendet werden.

Gerne beraten wir Sie bei anstehender sowie laufender Bisphosphonat- oder Denosumabtherapie über Ihr persönliches Risikoprofil, an einer Kiefernekrose zu erkranken sowie über prophylaktische Maßnahmen. Auch stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite, um die möglichen Gefahren einer anstehenden Implantatversorgung bei Bisphosphonattherapie mit Ihnen zu besprechen.

Wir beraten Sie gerne hinsichtlich des optimalen Zeitpunkts einer chirurgischen Maßnahme (inkl. Zahnimplantate) in Hinblick auf Ihre laufende Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab (XGeva oder Prolia).